Pro Bahn & Bus fordert Reaktivierung der Bad Orber Bahn
Am 4.3.1995 wurde kurz vor dem damals bevorstehenden Start des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) der Schienenpersonennahverkehr auf der normalspurigen Bad Orber Bahn nach Wächtersbach seitens der Kreiswerke Gelnhausen stillgelegt.
30 Jahre später ist es höchste Eisenbahn, eine Neubewertung dieser strukturellen Fehlentscheidung vorzunehmen. Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus erwartet angesichts inzwischen völlig anderer, besserer Rahmenbedingungen konstruktive Anstrengungen zur Reaktivierung der nur 6,3 km kurzen Stichstrecke mitten ins Zentrum der Kurstadt Bad Orb.
„Die Kurstadt Bad Orb gehört zur Entwicklungsachse des Kinzigtals von Hanau hinauf bis Fulda.“
Letzte Ankunft in Bad Orb am 4. März 1995. Bild: Christian Behrendt
„Der Endbahnhof Bad Orb und sein Busbahnhof liegen so zentral wie in keiner anderen Kommune im ganzen Main-Kinzig-Kreis. Die Kurstadt Bad Orb gehört zur Entwicklungsachse des Kinzigtals von Hanau hinauf bis Fulda. Das Mittelzentrum muss nunmehr endlich attraktiv ins regionale Schienennetz des RMV eingebunden werden“, sagt der Verbandsvorsitzende Stefan Sitzmann.
„Zahlreiche Beispiele aus ganz Deutschland zeigen, dass mit den richtigen Konzepten auch Bahnstrecken erfolgreich reaktiviert werden können, die zuvor jahrzehntelang stillgelegt waren.“
Modernisierung und Direktverbindungen nach Frankfurt
Ziel soll sein, dass zeitgleich mit der Inbetriebnahme des 3. und 4. Gleises der Kinzigtalbahn bis Haitz-Höchst die bislang in Wächtersbach endenden Züge der RB-Linie 51 auf modernisierter Strecke die wenigen Kilometer bis Bad Orb verlängert werden können und der Kurstadt umsteigefreie Taktverbindungen bis Frankfurt ermöglichen.
Nach Jahren des Stillstandes gilt es nun, nicht länger herumzutrödeln, sondern mit zielgerichteten Schritten jetzt die nötigen vertiefenden Untersuchungen und Planungen einzuleiten. Das Land Hessen lässt landesweit vorhandene Bahntrassen auf ihre Chancen zur Reaktivierung untersuchen. Dabei arbeitet es eng mit den Verkehrsverbünden und den politischen Gremien in den Regionen zusammen.
Deshalb sind alle Vertreterinnen und Vertreter der Kreispolitik sowie der Bad Orber Kommunalpolitik aufgefordert, den Wohn-und Touristik-Standort mittleres Kinzigtal zu stärken und dafür am gleichen Strang und in die gleiche Richtung zu ziehen.
Ein Wendezug Anfang der 1990er Jahre im Bahnhof Wächtersbach. Bild: Christian Behrendt
„Die Reaktivierung der Bad Orber Bahn sowie die Verdichtung des Zugangebotes der RB51 auf Halbstundentakt ist dabei ein wichtiger Baustein für zukunftsgerechte Mobilität, die letztlich allen Kommunen zwischen Bad Orb und Frankfurt Vorteile bringen wird“, so Stefan Sitzmann abschließend.
Fakten zur Bad Orber Bahn
Streckeneröffnung: 23.5.1901 als normalspurige Eisenbahn von Bad Orb nach Wächtersbach
Abstimmung der Fahrten mit den DB-Zügen in Wächtersbach, zuletzt Stundentakt mit Verstärkerfahrten zu den Hauptverkehrszeiten montags bis freitags
Inbetriebnahme des damals modernen Wendezuges am 31.5.1959 anlässlich der 900-Jahr-Feier der Stadt Bad Orb. Die schiebende Lok konnte vom Steuerwagen aus per Druckluft ferngesteuert werden
In den 1950er bis 1970er Jahren sonntags sogar Ausflugs-Direktverbindungen der DB von und nach Frankfurt, die von zwei Dieselloks nach Bad Orb gezogen wurden
Später Einstellung des Zugverkehrs ausgerechnet an Sonn- und Feiertagen sowie an Samstagnachmittagen
Hohe Fixkosten durch eigene Eisenbahnwerkstatt in Wächtersbach
Modernisierungsstau bei den Fahrzeugen
Letzte Zugankunft in Bad Orb: Samstag 4.3.1995, 13:25 Uhr
28.5.1995 Start des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV)
Seit der Stilllegung...
Bereits im Stilllegungsjahr 1995 Veröffentlichung unseres Verkehrskonzeptes „Schienen nach Bad Orb“ (80 Seiten Dia-A4)
Überführung des Wendezugs sowie der Diesellokomotiven VL11 und VL12 ins Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein, wo sie bis heute teilweise betriebsfähig sind. Die VL13 steht heute als Lokdenkmal für die Vogelsberg Südbahn in Birstein
1997 negatives Gutachten zur Reaktivierung auf Basis der damaligen schlechten Rahmenbedingungen hinsichtlich Untersuchungsmethodik, Überlastung der Kinzigtalbahn und mangelhaften Fördermöglichkeiten sowie der Annahme eines billig zu erbringenden Busverkehrs. Schon damals mehr als 1000 Fahrgäste pro Werktag prognostiziert
Anfang 2000 wurde Rolf Jirowetz aus Schlüchtern aktiv und holte seinen Schmalspur-Dampfzug mit 60cm Spurbreite von Bad Brückenau nach Bad Orb. 2002 ging die umgespurte Strecke von Bad Orb bis zum Haltepunkt Aufenauer Berg in Betrieb, 2006 dann bis zum Bahnhof Wächtersbach. Dampflok „Emma“ samt mehreren Personenwagen befährt seitdem mit anfangs drei, aktuell zwei Fahrtenpaaren saisonal an Sonn- und Feiertagen von Ostern bis zum letzten Wochenende im Oktober als Dampfkleinbahn Bad Orb die nunmehr vollständig umgespurte Strecke.
Keine durchgehenden Eisenbahn-Fahrkarten bis und ab Bad Orb, keine bundesweite Tarif- und Fahrplanauskunft im Eisenbahnverkehr.
Erhebliche Mängel beim Umsteigeverkehr Zug/Bus in Wächtersbach durch Fußwege, Zugverspätungen, Anschlussverluste und Wartezeiten.
Keine Fahrradmitnahme in den Bussen, nur begrenzte Flächen für Rollstühle und Kinderwagen.
Busverkehr der Linie MKK-81 endet jährlich am 24. und 31.12. bereits ab 16 bis 17 Uhr - bis Betriebsschluss ist Bad Orb dann vom Linienverkehr abgeschnitten
Forderungen von Pro Bahn & Bus
Fortführung und Optimierung der aktuellen Planungen und regelmäßige Einspeisung der Zwischenergebnisse in die „Hessen-Liste“ für Reaktivierungen von Eisenbahnstrecken
Berücksichtigung der Bad Orber Bahn beim anstehenden Umbau der Stellwerkstechnik in Wächtersbach.
Erarbeitung eines integrierten Bahn-/Bus-Konzeptes mit Anschlussknoten am Bahnhof Bad Orb
Berücksichtigung der Reaktivierung bei der Ausschreibung von Busverkehren
Die bauliche Modernisierung der Bad Orber Bahn ist viel einfacher und kostengünstiger als bei in Betrieb befindlichen Strecken. Die Schaffung neuer Brücken über Kinzigau (Flutbrücke) und Kinzig kann ohne Zeitdruck erfolgen.
Beseitigung einiger Bahnübergänge durch Wegebau und Bau moderner Halbschrankenanlagen
Bau von zwei Bahnsteigen (76cm über Schienenoberkante) in Bad Orb sowie eines entsprechenden Bahnsteigs am Langen Acker
Erhöhung der Streckenhöchstgeschwindigkeit auf 80 km/h
Elektrifizierung mit vereinfachter Oberleitung
Verlängerung der RB-Linie 51 Frankfurt - Offenbach - Hanau - Rodenbach - Hasselroth - Hailer-Meerholz - Gelnhausen - Haitz-Höchst - Biebergemünd Wirtheim - Wächtersbach bis Bad Orb
Betrieb tagsüber im 30-Minuten-Takt, zu schwächeren Zeiten im Stundentakt bis spät in die Nacht
Einbindung von Pro Bahn&Bus in die weiteren Planungsschritte